Das Aus für den Solidaritätszuschlag?
Mittwoch, 25.11.2020

Das Aus für den Solidaritätszuschlag?

Alle wichtigen Infos zu den Änderungen.

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Ursprünglich befristet auf ein Jahr, zahlen die Steuerzahler in Deutschland nun bereits seit fast drei Jahrzehnten den Solidaritätszuschlag, auch Soli genannt. Im Jahr 1991 wurde diese Sondersteuer eingeführt, um nach der Wende vor allem den Wiederaufbau in Ostdeutschland zu erleichtern. Ab 1995 wurde der Solidaritätszuschlag dann unbefristet erhoben und beträgt seit 1998 5,5 Prozent der Einkommen- und Körperschaftsteuer. Seither bringt er dem Bund jährlich knapp 20 Milliarden Euro ein. Ab dem 1. Januar 2021 soll der Solidaritätszuschlag nun endgültig für die meisten Steuerzahler wegfallen. Das wird die umfangreichste Steuersenkung seit mehr als zehn Jahren.

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Für wen fällt der Soli weg?

Fast 90 Prozent der Bevölkerung müssen bald keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen. Für 6,5 Prozent fällt zumindest noch ein Teil der Steuer weg, Top-Verdiener zahlen den Solidaritätszuschlag weiterhin. Ab wann genau der Soli auch zukünftig fällig wird, ist jedoch von den individuellen Lebensumständen abhängig. Je nachdem ob zum Beispiel alleinerziehend oder verheiratet mit Kindern, gibt es unterschiedliche Freibeträge für die Einkommensteuer, auf deren Basis der Zuschlag berechnet wird. Für eine Familie mit zwei Kindern bedeutet das, dass sie bis zu 151.000 Euro Jahresbruttoeinkommen keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen muss. Zwischen circa 151.000 Euro und 221.000 Euro wird sie teilweise von der Zahlung des Solidaritätszuschlags befreit, und ab 221.000 Euro fällt der bisherige Betrag weiterhin an. Alleinstehende können dagegen bis zu circa 73.000 Euro im Jahr verdienen, ohne dass der Soli gezahlt werden muss. Ab rund 109.000 Euro jährlichem Bruttoeinkommen ist nach wie vor der gesamte Zuschlag zu entrichten, in dem Bereich dazwischen wird er anteilig berechnet.

Interessant für Anleger

Wer über Kapitaleinkünfte verfügt, zahlt im Rahmen der Abgeltungsteuer weiter den Solidaritätszuschlag, wenn er als Alleinstehender jährlich mehr als 801 Euro Einkünfte aus Kapitalerträgen erhält.

Anleger können bei der Steuererklärung in der Anlage KAP über ein Ankreuzfeld eine Günstigerprüfung für die Besteuerung ihrer Kapitalerträge beantragen. Das Finanzamt prüft dann, ob eine Besteuerung mit dem individuellen Steuersatz für den Anleger günstiger ist als die Abgeltungsteuer. Dies ist immer dann der Fall, wenn der individuelle Steuersatz unter dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent liegt. Da beim individuellen Steuersatz kein Solidaritätszuschlag mehr anfällt, dies bei der Abgeltungsteuer aber weiterhin der Fall ist, wird es für mehr Anleger sinnvoll sein, die Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben und eine solche Günstigerprüfung zu beantragen.

Was bleibt am Ende mehr auf dem Konto?

Besonders profitieren von der Änderung werden Steuerzahlende bis zu einem mittleren Einkommen. Gerade Familien und Personen mit einem geringeren Einkommen sollen dadurch entlastet werden. Doch was bedeutet das genau? Bei einem Alleinstehenden ohne Kinder mit 31.200 Euro Jahresbruttoeinkommen wären das beispielsweise 202 Euro mehr netto im Jahr. Einem verheirateten Ehepaar mit 74.400 Euro brutto im Jahr bringt die neue Regelung ein jährliches Plus von 565 Euro netto. Kommen noch zwei Kinder dazu, und das Einkommen liegt bei 120.800 Euro, sind es sogar 998 Euro mehr Nettoeinkommen.

Was ist die „Milderungszone“?

Die Milderungszone soll dafür sorgen, dass bei einer minimalen Überschreitung der Freigrenze nicht gleich der gesamte Solidaritätszuschlag anfällt. Aus diesem Grund erhöht sich der zu zahlende Solidaritätszuschlag innerhalb der Milderungszone nur schrittweise auf die 5,5 Prozent. Daher profitieren weitere 6,5 Prozent der noch verbleibenden Solidaritätszuschlag-Zahlenden, deren Einkommen über der Freigrenze liegt. Sie müssen ebenfalls nicht mehr den vollen Betrag zahlen.

Gibt es Bedenken?

Auf längere Sicht soll der Soli komplett wegfallen, auch für Großverdiener und große Unternehmen. Doch viele fordern, dass auch dies schon ab Januar geschieht, und erste Klagen sind bereits angekündigt. Die Bundesregierung weist diese Bedenken mit der Begründung zurück, die zusätzlichen Kosten für die Wiedervereinigung seien längst nicht beglichen.

Bei Ihnen ist nächstes Jahr auch etwas mehr auf dem Konto? Wenn möglich, am besten das Geld gleich zur Seite legen. Investmentfonds bieten eine flexible Möglichkeit, langfristig zu sparen. Sprechen Sie Ihren Berater aus der genossenschaftlichen Bankengruppe an und finden Sie mit ihm gemeinsam die für Sie passende Geldanlage.

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