Nachhaltig surfen
Mittwoch, 27.04.2022

Nachhaltig surfen

5 Tipps, um CO2 zu reduzieren und Geld zu sparen

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Julia hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Sie will ihren persönlichen CO2-Fußabdruck verkleinern und versucht, klimaneutral zu leben. Zudem möchte Julia möglichst viele Mitmenschen motivieren, ebenfalls nachhaltiger zu leben. Daher veröffentlicht sie in den sozialen Medien ihre fleischlosen Rezepte, ihre neuesten Secondhand-Schnäppchen und gibt in kurzen Videos Tipps zum Energiesparen im Haushalt. Julia weiß, dass auch ihre Internetaktivitäten schädliche Klimagase verursachen, die in die Atmosphäre freigesetzt werden. Daher achtet sie darauf, dass sie in der digitalen Welt ebenfalls nachhaltig handelt.

Vielen Internetnutzern ist das aber gar nicht bewusst: Jede Recherche, jede verschickte Nachricht, jedes hochgeladene Foto und jeder Film, der gestreamt wird, verbraucht Energie. Gemeint sind hier nicht nur die strombetriebenen Endgeräte oder die leeren Handy-Akkus, die immer wieder aufgeladen werden müssen. Hier ist vor allem von den Servern die Rede, die die Informationen im Internet zur Verfügung stellen und rund um den Globus verteilen. Diese Rechenzentren brauchen Strom. Viel Strom. Und das Verarbeiten der Daten erzeugt Hitze, die wiederum eine stromintensive Kühlung erfordert. Solange noch nicht jeder Server durch erneuerbare Energien gespeist und die Hitzeentwicklung beispielsweise zu Heizzwecken genutzt werden kann, können kleine Verhaltensänderungen helfen, den Stromverbrauch auch bei der Internetnutzung zu verringern. Und ganz nebenbei schont der geringere Energieverbrauch auch den Geldbeutel.

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Tipp 1: Nachhaltig suchen

Julia bereitet sich auf ihren neuen Blogbeitrag vor. Sie tippt in ihre Lieblingssuchmaschine: „Wird das Internet zum Klimakiller?“ Innerhalb von 0,5 Sekunden hat sie 191.000 Ergebnisse. Ein enormer Rechenaufwand, der in Sekundenschnelle viel CO2 verursacht. Sie beginnt daher ihren Text mit: „Nicht jede Kleinigkeit muss gegoogelt werden.“

Zwei Suchanfragen verursachen ungefähr so viel Treibhausgas wie ein Wasserkocher für eine Kanne Tee benötigt. Das hat der Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross ausgerechnet. Auch wenn seine Berechnung nicht alle Faktoren einbezieht und nach unten korrigiert wurde, verbraucht die Nutzung des Internets sehr viel Energie. Es gibt bereits Rechenzentren in Schweden, die die dabei entstehende Hitze der Server nutzen, um Wohn- oder Büroflächen zu heizen. Mit Erfolg. In Deutschland sind solche Projekte noch Zukunftsmusik. Dennoch kann auch hier nachhaltig gesurft werden: Es gibt Suchmaschinen, die mit ihren Werbeeinnahmen Umweltprojekte finanzieren, die Bäume pflanzen. Zwar greifen nachhaltige Suchmaschinen auf die Suchergebnisse der klassischen Suchmaschinen zurück und der Energieaufwand bleibt der gleiche. Aber sie neutralisieren die entstandenen CO2-Emissionen, indem sie Emissionszertifikate von Klimaschutzorganisationen kaufen. Auch die Suche selbst kann man nachhaltiger gestalten: Die Browsersuche und die Suche mit Sprachassistenten benötigen einen zusätzlichen Energie- und Rechenaufwand, der vermieden werden kann. Besser ist es also, wenn Suchende eine Website direkt eintippen. Ein Beispiel: Geben Sie den Suchbegriff „Union Investment“ nicht einfach in die Suchzeile ein, sondern tippen Sie die konkrete Internetadresse ein: union-investment.de.

Tipp 2: Grüner mailen

Früher hat Julia große Dateien verschickt, mit Bildern und Videos. Doch das verbraucht viel Energie, Speicher- und Rechenleistung. Heute versendet sie stattdessen Links an ihre Blog-Abonnenten.

Auch das Senden und Empfangen von E-Mails lässt sich generell grüner gestalten: Es gibt einige Anbieter, die zu 100 Prozent mit grünem Strom versorgt werden. Ein Postfach kostet zwar rund 1 Euro im Monat, dafür bleibt es aber werbefrei. Auch wenn Sie Ihre E-Mails regelmäßig löschen, und unerwünschte Mails blockieren, ersparen Sie der Umwelt viel Treibhausgas. Das Deaktivieren von unnötigen Mail-Abos und das Aufräumen ungenutzter Mail-Accounts zahlen sich ebenso für die Umwelt aus.

Tipp 3: Energiefresser meiden

Julia hat schon beim Kauf ihres Computers und Routers auf den Stromverbrauch geachtet. Sie hat gelesen, dass ein Router, der – wie bei ihr – ständig im Einsatz ist, den Strombedarf eines Kühlschranks erreichen kann.

Elektrogeräte, die nicht ausgeschaltet werden, verbrauchen Strom (Stand-by). Darum ist es wichtig, die Hardware bei Nichtgebrauch komplett auszuschalten. Tablets und Handys verbrauchen übrigens weniger Strom als Laptops oder Desktop-PCs. Das hängt mit der Bildschirmgröße zusammen. Das Gleiche gilt auch für Smart-TV-Geräte: Kleine Bildschirme sind in der Regel umweltschonender. Wenn die elektronischen Geräte mit Ökostrom betrieben werden, kann zusätzlich CO2 gespart werden. Ökostrom bieten mittlerweile die meisten Stromanbieter an. Ebenso gibt es Webhoster und Cloudanbieter, die zu 100 Prozent mit nachhaltigem Strom arbeiten. Damit kann jeder noch grüner im Internet unterwegs sein.

Übrigens: Eine Datenübertragung per Mobilfunkverbindung verbraucht deutlich mehr Energie als über LAN oder WLAN. Daher ist es nachhaltiger und auch sparsamer, wenn man stationär surft und nicht von unterwegs über Mobilfunk.

Tipp 4: Weniger posten

Wer eine gute Bloggerin werden will, der muss im Gespräch bleiben. Das war Julias Motto. Darum hat sie früher drei- bis viermal am Tag Fotos bei Instagram gepostet. Dazu kamen Blogeinträge, die zusätzlich über den Mailverteiler veröffentlicht wurden. Ganz zu schweigen von den Podcasts und Videos, die sie dreimal in der Woche veröffentlich hat. Heute konzentriert sich Julia auf das Wesentliche. Es kommt vor, dass ihre Follower nur zweimal in der Woche Infos von ihr erhalten.

Angeguckt – weitergeleitet. Das ist vielen mittlerweile schon in Fleisch und Blut übergegangen. Doch ein bewusster Umgang mit den Medien kann sehr viel Energie sparen. Die Umwelt dankt ... und vielleicht auch der ein oder andere Freund, der nicht die Zeit hat, sich jede Nachricht anzusehen.

Tipp 5: Daten offline nutzen

Julia hört gern Musik. Ihren Lieblingssong kann sie gar nicht oft genug hören. Darum hat sie sich den Titel heruntergeladen und abgespeichert, damit sie ihn nicht online hören muss.

Rund drei Viertel des genutzten Datenvolumens werden durch Streaming-Dienste für Filme oder für Musik verbraucht. Durch Downloads kann der CO2-Aufwand minimiert werden. So kann man die Daten auch ohne den Umweg über einen Server offline nutzen und auch bei einem Internetausfall oder schlechtem Empfang abrufen. 

Cloud-Dienste sind praktisch. Aber nicht jedes Foto muss dort auf einen möglichen Abruf warten und klimaschädigend aufbewahrt werden. Datensammlungen und Datensicherungen sind sicher und umweltschonend auf externen Festplatten oder USB-Sticks aufgehoben. Gerade in Zeiten, in denen die Energiepreise steigen, macht sich ein überlegter Umgang mit dem Stromverbrauch schnell bezahlt. Nachhaltiges Surfen spart also nicht nur Energie und somit CO2-Emissionen, sondern auch Geld.

Energiebedarf beim Surfen

Energiebedarf beim Surfen

Der Energiebedarf digitaler Technologien macht laut einer Studie des französischen Think-tanks „The Shift Project“ weltweit um die 4 Prozent der Emissionen aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 betrug der Anteil des zivilen Flugverkehrs an den Gesamtemissionen weltweit 3,01 Prozent. Der größte Verursacher war der Straßenverkehr mit 18,17 Prozent – so das Ergebnis des Klimaschutzreports vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Experten gehen davon aus, dass der Energiebedarf allein von deutschen Servern zwischen 2015 und 2025 um 60 Prozent steigen wird. Wäre die digitale Welt ein Land, dann würde es zukünftig beim Stromverbrauch – mit 8 bis 10 Prozent des Gesamtverbrauchs – global an sechster Stelle stehen.

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