Virtuelles Wasser
Mittwoch, 20.11.2019

140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee?

In Deutschland werden täglich pro Kopf 4.000 Liter Wasser verbraucht. Das meiste davon sehen wir gar nicht.

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Der tägliche Wasserverbrauch in Deutschland liegt laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bei rund 127 Litern pro Kopf. Der tatsächliche Verbrauch ist aber viel höher. Die Umweltorganisation „Water Footprint Network“ rechnet mit knapp 4.000 Litern am Tag – so viel wie 26 Badewannenfüllungen. Darin eingerechnet ist der „versteckte“ Verbrauch. Denn nicht nur beim Duschen, Waschen oder im Garten nutzen wir Wasser, es steckt auch in so gut wie allen unseren Konsumgütern und Lebensmitteln. Für deren Produktion werden große Mengen Wasser benötigt. Experten sprechen von „virtuellem Wasser“.

Was ist virtuelles Wasser?

Den Begriff des virtuellen Wassers prägte in den 1990er Jahren der britische Geografieprofessor John Anthony Allan. Inzwischen hat seine Arbeit viel Beachtung in der Wirtschaft und in der Politik gefunden, weil sich damit vergleichbar mit dem CO2-Fußabdruck auch ein Wasserfußabdruck für Staaten, Unternehmen und Privatpersonen berechnen lässt. Dieser Abdruck zeigt uns den Umgang mit Ressourcen an und ist eine Art ökologische Bilanz unseres Wasserverbrauchs.

Gute Gründe für bewussten Konsum

In einem Kilogramm Rindfleisch stecken allein 15.455 Liter virtuelles Wasser. Einberechnet werden dabei das Wasser zum Tränken der Tiere sowie die Wassermenge, die der Anbau der Futtermittel für die Rinder erfordert. Bei Geflügel und Schwein sind es immer noch zwischen 3.900 und 4.800 Liter pro Kilogramm Fleisch. Gemüse und Obst weisen dagegen eine niedrigere Wasserbilanz auf. Eine einzige Tasse Kaffee kostet 140 Liter Wasser. Zur Herstellung von einem Kilogramm Kartoffeln sind im Durchschnitt 255 Liter notwendig. Mehr pflanzliche Lebensmittel aus der Region im Speiseplan und Fleisch nur in Maßen zu genießen spart Wasser und oft Geld. Gleichzeitig wird das Klima geschont, da die Produktion von Fleisch auch das Treibhausgas Methan verursacht. Ein sorgsamer und bewusster Umgang mit der Ressource Wasser lohnt sich also aus vielen Gründen.

Der Wasserfußabdruck macht außerdem ein Missverhältnis deutlich, das die Weltgemeinschaft in Zukunft beheben muss. Oft werden nämlich besonders wasserintensive Produkte wie Rindfleisch, Baumwolle oder Kaffee in Regionen produziert, die stärker als wir unter Wassermangel leiden. In der Folge verknappen sich für die Menschen vor Ort und für die dortige Landwirtschaft die Wasserreserven.

Ein finanzieller Risikofaktor

Genau wie wir haben Unternehmen einen Wasserfußabdruck. Für diesen interessieren sich zunehmend auch Finanzdienstleister, Fondsmanager zum Beispiel, die bei der Auswahl von Aktien bestimmte Kriterien ansetzen. So ist für nachhaltige Fonds ein kritischer Blick auf das Wassermanagement Teil der Nachhaltigkeitsüberprüfung. Im Fokus stehen Unternehmen, bei denen Wasser eine unerlässliche Ressource im Produktionsprozess ist und unter Umständen über den wirtschaftlichen Erfolg dieser Unternehmen entscheidet. Ein verschwenderischer Umgang mit Wasser stellt dann ein Risiko dar, falls der Preis für Wasser steigt oder die Wasserzufuhr versiegen sollte. Betroffen sind zum Beispiel Energieversorger, der Bergbau und die Landwirtschaft, die zu den größten Wassernutzern in Deutschland gehören. In extrem heißen Sommermonaten können außerdem bei Niedrigwasser die Flüsse als Transportwege nicht genutzt werden, wodurch viele weitere Unternehmen betroffen sind.

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Das sind nur einige Beispiele, warum Wasserabhängigkeit und die Möglichkeit von Einsparungen ein wichtiges wirtschaftliches Kriterium sind.

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