Die Psychologie des Sparens
Mittwoch, 26.06.2019

Die Psychologie des Sparens

Jetzt zugreifen oder für später zurücklegen? Spannend, wie sich dieser Unterschied auf unser Leben auswirkt.

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Konnten Sie als Kind den Versuchungen eines Süßigkeitenladens widerstehen? Forscher von der Stanford-Universität in Kalifornien haben bereits in den 1960er Jahren diese Fähigkeit im Labor untersucht. Das psychologische Experiment von Professor Walter Mischel war denkbar einfach: Auf dem Tisch lag ein klebrig-süßer Marshmallow, davor wurden 600 Kinder mit der gleichen Frage auf die Probe gestellt: „Magst du gleich zugreifen? Oder wartest du noch ein bisschen und bekommst als Belohnung zwei Marshmallows?“ Die Spannung stieg bei den Forschern, nachdem sie die Kinder allein mit der Süßigkeit im Raum zurückließen. Wie ist das Experiment ausgegangen?

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Bevor wir die Antwort geben, noch eine weitere Frage: Ist das Experiment möglicherweise vergleichbar mit Situationen, in denen Erwachsene entscheiden? Denken wir etwa an das Sparen. Dabei geht es ebenfalls darum, für den Moment kleinere Entbehrungen in Kauf zu nehmen, um sich später belohnen zu können. Das fällt dem einen leichter, dem anderen schwerer. Was machen Sparer anders?

Sparer schauen nach vorne

Der große Unterschied zwischen Sparern und Nichtsparern liegt darin, wie sie die Aufmerksamkeit auf die zukünftige Belohnung lenken. Der Fokus liegt nicht auf dem aktuellen Verzicht. Dies ist keine bloße Annahme, sondern wurde von Forschern der US-amerikanischen Duke-Universität untersucht. Im dafür durchgeführten Experiment hatten die Studienteilnehmer die Wahl: eine Geldsumme sofort erhalten oder lieber die doppelte Summe zu einem späteren Zeitpunkt? Bei der Entscheidungsfindung wurden die Bewegungen der Augen gemessen, um einen Hinweis darauf zu erhalten, worauf sich die Teilnehmer konzentrieren. Das Ergebnis: Die „Sparer“ schauten hauptsächlich auf den höheren der gezeigten Geldbeträge. Andere Aspekte, die sie vom Ziel ablenken könnten, wie zum Beispiel die Zeit bis zum Erhalt des Betrags, blendeten sie so weit wie möglich aus.

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Zufriedenheit durch Aufschub

Wieder zurück zu Professor Walter Mischel und dem Marshmallow-Experiment: Manche Kinder griffen sofort zu, andere hielten sich zurück und warteten auf ihre Belohnung. Über die folgenden Jahre wurde der Lebensweg der Kinder beobachtet. Dabei stellte sich heraus, dass die Kinder, die abwarten konnten, im späteren Leben in vielen Dingen oft besser zurechtkamen: Sie konnten unter anderem besser mit Kritik umgehen, erreichten höhere Bildungsabschlüsse und führten stabilere Beziehungen.

Was lernen wir daraus? Dass die Fähigkeit, Verlockungen widerstehen zu können, einhergeht mit positiven Entwicklungen in vielen Lebensbereichen. Wer dazu neigt, Verlockungen gleich nachzugeben, kann sich in Verzicht üben: nach vorne schauen und sich auf das Ziel konzentrieren – nicht auf die Entbehrungen, die wir dafür in Kauf nehmen.

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