Realzins, Effektivzins und Negativzins
Dienstag, 05.04.2022

Realzins, Effektivzins und Negativzins

Wir erklären die unterschiedlichen Zinsarten

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Felix ist auf der Suche nach einer Geldanlage, für die er Zinsen bekommen kann. Und Marie zahlt Zinsen an die Bank, weil sie einen Kredit aufgenommen hat, um sich den Traum einer kleinen Eigentumswohnung zu erfüllen. Soweit wissen die meisten Bescheid. Aber wer legt die Höhe der Zinsen fest? Wie wird der Zinssatz ermittelt? Welche der vielfältigen Zinsarten bezeichnet eigentlich was? In der Tagespresse ist beispielsweise vom Leitzins zu lesen. Im Freundeskreis wird der Negativzins beklagt. Im Kollegenkreis spricht man vom Realzins. Ein Bekannter muss Überziehungszinsen zahlen, und die Nachbarn freuen sich über einen günstigen Effektivzins. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Zinsen haben wir für Sie zusammengestellt:

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Was sind Zinsen?

Was sind Zinsen?

Das Wort Zins kommt vom lateinischen census „Abschätzung“. Als Zinsen wird der Preis bezeichnet, der für vorübergehend zur Verfügung gestelltes Geld anfällt. Zinsen sind also eine finanzielle Gegenleistung für die Überlassung von Kapital. Es wird daher auch umgangssprachlich von Gebühr oder Miete für geliehenes Geld gesprochen.

Wie werden Zinsen berechnet?

Zinsen werden stets in Prozent angegeben. In der Regel bezieht sich der Prozentsatz auf die geliehene Summe im Zeitraum von einem Jahr. Hat ein Sparer zum Beispiel 100 Euro zu einem Prozentsatz von 1 Prozent angelegt, bekommt er nach 12 Monaten 1 Euro Zinsen für seine 100 Euro. Zinsen werden wie folgt berechnet: (geliehenes Kapital : 100) x Zinssatz pro Jahr x Laufzeitjahre = Zinsen insgesamt.

Der Ursprung

Die Idee von Zinsen ist uralt: Die ersten Zinsen sollen bereits in der Jungsteinzeit (ab etwa 10.000 v. Chr.) erhoben worden sein. Noch bevor es überhaupt Münzen oder Geld gab. Es war beispielsweise üblich, dass ein Bauer, der Saatgut an einen anderen Bauern verlieh, nach der Ernte eine größere Menge Saatgut zurückbekam. Also eine verzinste Leihgabe.

Wovon ist die Höhe des Zinssatzes abhängig?

Der Kreditzins besteht in der Regel aus vier Komponenten: Bearbeitungsgebühr, Liquiditätsprämie, Inflationsprämie und der individuellen Risikoprämie.

Die Bearbeitungsgebühr fließt direkt in den Zinssatz ein. Die Liquiditätsprämie wird erhoben, weil die Banken ein Prozent der Kreditsumme mit Geld von der Zentralbank absichern müssen. Diese Leihkosten geben die Banken an den Kreditnehmer weiter, in der Regel mit einem Aufschlag. Die Inflationsprämie berücksichtigt die zu erwartende Inflationsrate. Ebenso fließen individuelle Aspekte des Kreditnehmers mit ein. Beispielsweise Zweck der Geldüberlassung, Laufzeit und Bonität – also die Sicherheiten, die derjenige, der sich Geld leiht, bieten kann. Man spricht hier auch von Risikoprämie. Neben diesen Aspekten orientiert sich die Höhe der Kreditzinsen auch am sogenannten Leitzins.

Der Leitzins spielt auch bei den Sparzinsen eine maßgebliche Rolle. Er ist der Zinssatz, den Banken an die Zentralbank zahlen, wenn sie sich Geld leihen. Und der Zinssatz, den sie erhalten, wenn sie der Zentralbank Geld zur Verfügung stellen. Der Leitzins wird von der jeweils zuständigen Notenbank festgelegt, beispielsweise von der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit Jahren versucht die EZB, durch sehr niedrige Leitzinsen das Wirtschaftswachstum zu fördern. Das funktioniert so: Durch die niedrigen Leitzinsen haben Kreditinstitute weniger Kapitalkosten. Diese günstigen Konditionen können sie an ihre Geschäfts- und Privatkunden weitergeben. Die Geschäftskunden können so beispielsweise in neue Geschäftsfelder investieren, die mehr Umsatz versprechen. Auch Privatkunden kurbeln in der Regel mit einem Kredit die Wirtschaft an, indem sie zum Beispiel etwas konsumieren oder in Dienstleistungen investieren. 

Variablen des Zinssatzes

Ist sich ein Kreditgeber nicht vollkommen sicher, dass er das geliehene Geld wieder zurückbekommt, schlägt die oben genannte Risikoprämie zu Buche: Er lässt sich die Unsicherheit in der Regel mit einem höheren Zinssatz bezahlen. Das gilt übrigens für beide Richtungen des Geldtransfers: für Kreditzinsen und Sparzinsen. Ein junges Unternehmen mit unsicherem Geschäftserfolg bekommt nur dann einen Kredit, wenn es einen höheren Zinssatz in Kauf nimmt. Im Umkehrschluss zahlen kleine Zinsanbieter, die dem Anleger weniger Sicherheiten bieten können als Großbanken, höhere Zinsen.

Auch die individuelle Laufzeit ist bei der Ermittlung des Zinssatzes von Bedeutung. Gemeint ist der Zeitraum bis zur vollständigen Rückzahlung eines Kredits oder einer Anlage. Die Höhe der Verzinsung steigt im Regelfall mit der Länge der Laufzeit. Darüber hinaus ist für die Errechnung des Zinssatzes der persönliche Einsatzzweck wichtig. Sollen von dem geliehenen Geld Konsumartikel gekauft werden, die sich im Laufe der Zeit verbrauchen oder an Wert verlieren – wie zum Beispiel Möbel oder ein Auto –, ist der Zinssatz meist höher. Wird hingegen in etwas investiert, das seinen Wert erhalten oder gar steigern kann –  wie zum Beispiel eine Immobilie – ist der Zinssatz in der Regel niedriger.

Verschiedene Zinsarten

Für Kredite werden Sollzinsen gezahlt, für Geldanlagen wie beispielsweise Festgeld erhalten Sparer Habenzinsen. Ein Kreditzins wird auch Nominalzins genannt. Der Realzins schließt die Inflations- bzw. Deflationsraten in den Nominalzins mit ein. Bei Krediten ist häufig vom Effektivzins die Rede. Hier geht es um den Nominalzins zuzüglich der Kosten wie beispielsweise Gebühren. Wenn das Girokonto überzogen wird, werden Überziehungszinsen fällig. Diese Zinsen beziehen sich ausschließlich auf die Überziehungs- oder Minussumme. In der Regel sind Überziehungszinsen überdurchschnittlich hoch. Negativzinsen bezeichnen die Umkehr des üblichen Zustandes: Hier zahlen Anleger an die Bank Zinsen für ihr angelegtes Geld. Betroffen von Negativzinsen sind vor allem sehr hohe Einlagen von Privat- oder Geschäftskunden. Von Zinseszins wird gesprochen, wenn Zinsen auf die erhaltenen Zinsen gezahlt werden, indem diese wieder angelegt werden. Bei Wertpapieren wird der Zins als Kapitalmarktzins bezeichnet: Hiermit ist die Rendite von festverzinslichen Wertpapieren (Anleihen) gemeint. Anleihen haben einen sogenannten Zinskupon: Eine gleichbleibende Verzinsung bis zum Laufzeitende, die in der Regel jährlich gezahlt wird. Die Rendite setzt sich aus dem Zinskupon sowie dem Kurswert der Anleihe zusammen. Je höher der Kurswert, also der Betrag, der am Kapitalmarkt für den Nennwert einer Anleihe bezahlt werden muss, desto geringer die Rendite.

Was tun in Zeiten von Niedrigzinsen?

Seit 2014 hält die Europäische Zentralbank den Leitzins nahe Null. Dank der niedrigen Zinssätze können Kredite zu günstigen Konditionen aufgenommen werden. Gleichzeitig sind jedoch auch die Zinsen für Sparer niedrig, was verzinste Geldanlagen unattraktiver macht. Wenn die Zinsen für eine Geldanlage geringer ausfallen als die Inflationsrate, wird das angelegte Geld immer weniger wert. Man spricht in diesem Fall auch von negativen Realzinsen. Dagegen helfen in der Regel Anlagen in Sachwerte wie Immobilien oder Immobilienfonds sowie eine Investition in Unternehmensanteile. Gemeint sind Aktien beziehungsweise Aktienfonds. Auch inflationsindexierte oder variabel verzinste Papiere – sogenannte Floater – können die Abhängigkeit von der Inflationsrate reduzieren. Ihr Berater der genossenschaftlichen Bank informiert Sie gern über Ihre Möglichkeiten.

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