Wissenswertes zum Börsengang
Mittwoch, 26.02.2020

Wissenswertes zum Börsengang

Wie läuft ein IPO ab, welche Regeln gibt es, und wann ist er erfolgreich?

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Der Börsengang des Ölriesen Saudi Aramco hat Ende 2019 alle bisherigen Börsengänge  übertroffen und dem Erdölproduzenten 25,6 Milliarden Dollar in die Kassen gespült. Insgesamt war das Jahr 2019 jedoch angesichts des Brexit-Wirrwarrs und des Handelsstreits zwischen den USA und China mit international 1.115 Neuemissionen ein schwaches Jahr. Die Neuemissionen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervorgeht. Welchen Einfluss die Weltwirtschaftslage auf einen Börsengang hat, wie er abläuft und was ihn erfolgreich macht, haben wir in diesem Beitrag für Sie zusammengefasst.

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Was sind die Gründe für einen Börsengang?

Unternehmen, die an die Börse streben, versprechen sich davon in erster Linie frisches Kapital. Die Gründe sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Start-ups möchten Investitionskapital für die Umsetzung ihrer innovativen Geschäftsideen, national erfolgreich agierende Unternehmen nutzen die Börse, um ihr Geschäft global aufstellen zu können, und überschuldete Gesellschaften wollen mit dem Gang an die Börse bestehende Kredite ablösen. Aber auch die Steigerung des Bekanntheitsgrads des Unternehmens kann eine Motivation sein.

Je nach Wirtschaftslage ist ein Börsengang einfacher oder schwerer – eines ist allerdings sicher: Ein IPO ist kein Selbstläufer. Neben zahlreichen rechtlichen Voraussetzungen und einer umfangreichen Planungsphase kommt es entscheidend auf das Markt-Timing an. Herrscht am Markt Angst vor einer Rezession, und die Aktienmärkte stehen unter Druck, ist der Zeitpunkt für ein IPO denkbar schlecht. Ist die Stimmung am Kapitalmarkt positiv, sind die Chancen für eine erfolgreiche Neuemission wiederum in der Regel höher.

Ablauf eines Börsengangs

Ein Börsengang ist ein komplexer Prozess und dauert in der Regel rund ein Jahr. Voraussetzung für den Gang an die Börse ist eine geeignete Rechtsform. Gängige Rechtsformen sind deutsche Aktiengesellschaften (AG), europäische Gesellschaften (SE) und Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA). Nachdem die Rechtform des Unternehmens bestimmt ist, läuft ein Börsengang folgendermaßen ab:

1. Prüfung der Börsenreife und kritische Selbstanalyse

Neben Kennzahlen und Kapitalstruktur gilt es hier, auch die Marktstellung des Unternehmens kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ziel des Tests ist es, herauszufinden, ob das Unternehmen am Markt auch bestehen kann. Unterstützend kommen während dieser Phase häufig externe Berater zum Einsatz.

2. Konzeptphase

Während dieser Phase plant das Unternehmen seinen Börsengang und wählt begleitende Konsortialbanken und Agenturen aus. Diese Banken setzen in der Regel Wirtschaftsprüfer auf das Unternehmen an und führen eine unabhängige Prüfung (Due Diligence) durch. War dieser Schritt erfolgreich, beantragt das Unternehmen die Börsenzulassung.

3. „Heiße Phase“ vor dem IPO

Wenige Wochen vor dem Börsengang kann der Börsenneuling die aktuelle Marktlage einschätzen und auf die Zielgerade zum IPO einbiegen. In dieser Phase läuft die Öffentlichkeitsarbeit auf Hochtouren. Parallel beginnt die Zeichnungsphase, in der neue Investoren Angebote für die Aktien abgeben können.

Wie hoch sind die Kosten für einen Börsengang?

Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, entstehen Kosten. Je nach Aufwand für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie anderen begleitenden Kosten können die Gesamtkosten für einen Börsengang zwischen sechs und zwölf Prozent des Betrags liegen, den er eingebracht hat.

Wann ist ein IPO erfolgreich?

Der Erfolg einer Neuemission kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden: aus Sicht des an die Börse strebenden Unternehmens oder aus Sicht des Anlegers. Für ein Unternehmen ist ein IPO dann ein Erfolg, wenn alle Aktien am oberen Ende der Preisspanne in den Umlauf gebracht wurden. Für Privatanleger kommt es in erster Linie darauf an, dass eine Aktie langfristig über ihrem Ausgabepreis notiert.

Börsengänge deutscher Unternehmen 2019

In Deutschland gingen 2019 lediglich vier Unternehmen an die Börse: Frequentis AG, Traton SE, Global Fashion Group S.A. und TeamViewer AG. Aus Sicht der Investoren waren die deutschen IPOs im vergangenen Jahr kein Erfolg: Lediglich der Kurs der bereits im Mai gestarteten Frequentis AG-Aktie konnte bis heute leicht zulegen.

Was bedeutet ein Börsengang für Kunden und Konsumenten?

Jeder IPO rückt ein Unternehmen ins Licht der Öffentlichkeit. Auflagen schreiben vor, dass regelmäßig aktuelle Geschäftsentwicklungen und Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Ereignisse, die einen großen Einfluss auf das Geschäft haben, müssen sogar außerplanmäßig in Form von Ad-hoc-Meldungen bekannt gemacht werden. Hinzu kommen zahlreiche Analysten, die das börsennotierte Unternehmen regelmäßig unter die Lupe nehmen und in den Börsennachrichten darüber berichten. Kunden und Anleger profitieren daher von einer größeren Transparenz bei Aktiengesellschaften. Privatanlegern gibt der Kauf von Aktien neben der Geldanlage auch die Möglichkeit, ihre Verbundenheit und ihr Vertrauen in ein Unternehmen zu untermauern. So können Fußballfans ihren an der Börse notierten Verein unterstützen oder umweltbewusste Anleger gezielt in Aktien von nachhaltigen Firmen investieren. Eine solche Anlagestrategie setzt aber sehr gute Marktkenntnisse voraus und birgt Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals. Eine gute Alternative zu Einzeltiteln sind Aktienfonds. Sie ermöglichen dem Anleger, in Börsenneulinge und zusätzlich in etablierte Unternehmen zu investieren. So bündeln von Experten gemanagte Aktienfonds zahlreiche Unternehmen und sorgen dafür, dass das investierte Geld breit gestreut wird. Das senkt im Vergleich zum Investment in einzelne Unternehmen das Risiko.

Definition IPO

IPO steht für „Initial Public Offering“ und lässt sich frei mit „erstes öffentliches Angebot“ übersetzen. Dabei werden erstmals Aktien eines Unternehmens interessierten Investoren zum Kauf angeboten. Mit dem IPO ist die Börsenzulassung des Aktienkapitals und die Aufnahme der Börsennotierung verbunden.

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