Chemische Substanzen
Mittwoch, 18.11.2020

Chemische Substanzen

PFAS wirken sich nicht nur negativ auf Mensch und Umwelt, sondern auch auf den Kapitalmarkt aus.

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Schmutz-, fett- und wasserabweisende Eigenschaften machen PFAS für eine Vielzahl von Anwendungen interessant. Beispiele hierfür finden sich in der Textil-, Outdoor- und Lederindustrie, im Bereich der Einwegverpackungen wie Kaffeebecher, Pizza- und Hamburgerverpackungen, in beschichteten Küchenutensilien wie Pfannen und Töpfen oder in Mitteln zur Behandlung von Oberflächen wie Auto- und Skiwachs.

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„Forever chemicals“ mit Folgewirkungen

Neben diesen gewünschten Anwendungsmöglichkeiten haben PFAS Eigenschaften und Folgewirkungen, die sie für Mensch und Natur gefährlich machen. So sind sie sehr langlebig und werden nicht abgebaut, was ihnen den Spitznamen „forever chemicals“ einbrachte. Zudem sind sie sehr mobil und verbreiten sich vor allem über Luft und Wasser. Bei der Aufnahme in den Organismus reichern sie sich an, werden also nicht abgebaut oder ausgeschieden. Schwangerschaftskomplikationen, Krebserkrankungen und Beeinträchtigungen des Immunsystems sind nur einige der möglichen gesundheitlichen Schäden, die durch die Anreicherung von PFAS möglich sind.

Was sind PFAS?

PFAS steht für „per- und polyfluorierte Alkylverbindungen“ und ist der Oberbegriff für eine Gruppe von rund 4.700 industriell erzeugten chemischen Substanzen. Produziert werden PFAS bereits seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Sie kommen in einer Vielzahl von Gütern des täglichen Gebrauchs als Inputstoffe zum Einsatz.

Verbot aller PFAS-Verbindungen angestrebt

In der Europäischen Chemikalienverordnung REACH werden ausgewählte PFAS-Varianten daher als besonders besorgniserregend für Mensch und Natur klassifiziert. Durch eine REACH-Verordnung kann es grundsätzlich zu strengeren Regulierungen bei der Herstellung und Verwendung und sogar zu Verboten bestimmter Chemikalien kommen. Ganz aktuell wurde zum Beispiel die Produktion von PFOA – einer besonders schädlichen Unterart von PFAS – in der Europäischen Union ab Juli 2020 untersagt. Angesichts der besonderen Schädlichkeit streben aber mehrere Staaten und Behörden, darunter das Umweltbundesamt, ein Verbot aller PFAS-Verbindungen an.

Alternativen existieren bereits im Outdoor-Textilbereich und bei der Beschichtung von Pfannen und Töpfen. Bei Einweggeschirr und beschichteten Verpackungen wird ebenfalls über Alternativen nachgedacht.

Auswirkungen auf die Produzenten

Die immer weitreichenderen Beschränkungen bei der Herstellung und Verwendung von PFAS haben negative operative Auswirkungen auf die betroffenen Gesellschaften. Bei einem möglichen grundsätzlichen Verbot aller PFAS-Varianten droht Unternehmen zunächst der Verlust eines Geschäftsbereichs. Weit schwerer wiegen allerdings Klagerisiken – nicht nur für die Erzeuger von PFAS selbst, sondern auch für Unternehmen, die PFAS als Zwischenprodukt weiterverarbeiten. In den USA wurden bereits Klagen wegen gesundheitlicher Beeinträchtigung oder der Kostenübernahme für Aufräumarbeiten – wie der Beseitigung von verseuchtem Boden oder der Aufbereitung von verunreinigtem Grundwasser – eingereicht.

Auch in Deutschland gibt es Beispiele für die Belastung der Umwelt durch PFAS: Der Einsatz von Löschschaum auf Flughäfen – wie zum Beispiel in Düsseldorf oder auf dem Bundeswehrflughafen im bayerischen Manching – trug zur Belastung von Böden und Grundwasser bei. Aber auch das illegale Einbringen von verunreinigten Schlämmen auf landwirtschaftlichen Böden hatte weitreichende Folgen. In Rastatt beispielsweise führte die vor einigen Jahren festgestellte Verunreinigung des Trinkwassers durch PFAS zu immensen Wiederaufbereitungskosten, die nach Abschluss aller notwendigen Arbeiten zwischen ein bis drei Milliarden Euro betragen könnten. Neben den reinen Kosten, die durch Umweltschädigungen und Strafzahlungen entstehen können, besteht für betroffene Unternehmen außerdem ein hohes Reputationsrisiko.

Implikationen für den Kapitalmarkt

Die finanziellen Belastungen, die zum Beispiel durch den Verlust eines Geschäftsbereichs oder aufgrund von PFAS-Klagen und Strafzahlungen drohen, haben auch für den Kapitalmarkt wichtige Auswirkungen. Aufgrund der breiten Anwendung von PFAS-Verbindungen könnten neben der Chemiebranche künftig noch weitere Branchen und Unternehmen von rechtlichen Streitigkeiten betroffen sein. Diese möglichen Risiken sind wichtige Entscheidungskriterien für Anleger bei ihrer Geldanlage.

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