Kapitalmarktausblick
Mittwoch, 27.07.2022

Kapitalmarktausblick

Wie geht es dieses Jahr weiter?

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Wie lange wird der Krieg in der Ukraine noch dauern? Wie entwickelt sich die Corona-Situation weltweit? Wird die Null-Covid-Strategie in China weiter die Lieferketten belasten? Bleibt die Inflation auf diesem hohen Niveau? Und werden sich die Zinserhöhungen auf das Wirtschaftswachstum auswirken? Die momentane Lage ist extrem komplex und jede weitere Veränderung bewirkt, dass die Situation neu bewertet werden muss. Das führt dazu, dass die Perspektiven für die Kapitalmärkte schwer einzuschätzen sind. Die unübersichtliche Situation verunsichert auch Anleger, die sich fragen, wie sie ihr Geld aktuell anlegen können. Die Unsicherheit bei den genannten Schlüsselfaktoren macht es heute schwer, Anlageentscheidungen zu treffen, da diese Umstände die Kapitalmärkte maßgeblich beeinflussen. Dabei sind die Aussichten für Investments mittelfristig positiv, so die Einschätzung der Volkswirte und Fondsmanager von Union Investment. Wichtig sind jetzt allerdings eine besonders sorgfältige Auswahl der Einzelwerte und die Bereitschaft, das Investment – je nach Entwicklung des Kapitalmarktes – entsprechend anzupassen.

Prognose: Inflationsrückgang und Zinserhöhungen

Für das Gesamtjahr 2022 prognostiziert Union Investment einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 8,6 Prozent. Für den Euroraum werden 8,2 Prozent erwartet. Ein sichtlicher Rückgang wird 2023 zu spüren sein. Entscheidend ist, ob die Notenbanken die steigende Inflation durch Zinserhöhungen stoppen können. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat es vorgemacht und die Zinsen 2022 bereits mehrfach erhöht: im März +0,25 Prozentpunkte, im Mai +0,5 Prozentpunkte und im Juni +0,75 Prozentpunkte. Die letzte Erhöhung ist übrigens der größte Zinsschritt seit fast 30 Jahren. Aber die Währungshüter sahen sich aufgrund einer Teuerungsrate von 8,6 Prozent im Mai 2022 dazu gezwungen. Die aktuelle Zinsspanne liegt jetzt bei 1,50 bis 1,75 Prozent. Bis zum Jahresende soll ein Zinsniveau von 3,25 bis 3,50 Prozent angepeilt werden.

Anders in Europa: Hier erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) am 21. Juli den Leitzins von null auf 0,5 Prozent, um die Teuerung zu bekämpfen. Das ist die erste Leitzinserhöhung seit 11 Jahren. Mit weiteren Zinserhöhungen im Jahresverlauf ist zu rechnen.

Bessere Aussichten ab 2023

Die Finanzfachleute von Union Investment gehen davon aus, dass sich die Lieferkettenprobleme im Lauf des Jahres normalisieren werden und die übersteigerte Warennachfrage abebben wird. Die Inflationsrate dürfte dann ab Ende des Jahres wieder langsam und stetig sinken. Zunächst in den USA, dann in Europa. Das sollte den Druck von der Geldpolitik nehmen und verhindern, dass die Notenbanken die Zinsen so stark anheben, dass das Wirtschaftswachstum zum Erliegen kommt.

Konjunktur im Stresstest

„In der Kombination aus hartnäckig hoher Inflation, anhaltenden Angebotsproblemen und zu starker Straffung der Geldpolitik liegt das größte Risiko für die Konjunktur“, meint Andreas Köster, Segmentleiter Portfoliomanagement bei Union Investment. Er geht aber davon aus, dass den Notenbanken die Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturschutz gelingen dürfte. Gemeint ist, dass die Währungshüter den Leitzins nur so weit anheben, dass die Weltwirtschaft nicht allzu stark ausgebremst wird und eine tiefe Rezession (Wachstumsrückgang) vermieden werden kann. Auch die chinesische Wirtschaft scheint sich von den Corona-Lockdowns zu erholen. Der US-Konsum zählt ebenfalls zu den Konjunkturstützen: Die amerikanischen Haushalte stehen unter anderem aufgrund des boomenden Arbeitsmarkts gut da, sodass die steigenden Preise den US-Markt nicht so stark beeinträchtigen sollten. Union Investment rechnet für 2022 mit einem Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten von insgesamt 1,8 Prozent.

Der Euroraum und Deutschland hingegen leiden stärker unter den Folgen des Ukraine-Krieges. Es kann damit gerechnet werden, dass der Konflikt noch einige Monate dauern wird. Daher wird es kurzfristig kaum Entspannung bei den Rohstoffpreisen geben. Auch die Lieferketten in die Ukraine bleiben vorerst problematisch. Zudem schwächelt derzeit die Exportnachfrage aus China. Daher wird für den Euroraum ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent bis Ende 2022 prognostiziert. Für Deutschland ist ein Wachstum von 0,9 Prozent zu erwarten. Vorausgesetzt, dass es zu keinem Lieferstopp von russischem Erdgas kommt.

Taktische Aktivität und sorgfältige Titelauswahl

In den kommenden Monaten dürfte das Kapitalmarktumfeld weiterhin von der genannten Mischung aus hohen Inflationsraten, Spekulationen um den Kurs der Zentralbanken und Wachstumssorgen geprägt sein. „Diese macht es Anlegern schwer, ihr Geld chancenorientiert zu investieren. Vor diesem Hintergrund sind vor allem eine hohe Aktivität und sorgfältige Titelauswahl maßgeblich. Aktuell sind beispielsweise Substanzwerte eher gefragt als Wachstumswerte. Aktives Stock-Picking – also das Investieren in ausgewählte Aktien – ist derzeit besonders wichtig. Beispielsweise in den weiterhin bestehenden Trend der Nachhaltigkeit. Aktiv gemanagte Investmentfonds bieten in unruhigen Zeiten die nötige Flexibilität. Die Fondsmanager von Union Investment werten täglich die neuesten Informationen aus und passen die Zusammensetzung der Fonds – soweit es zu den Anlagerichtlinien passt – aktiv an. Wenn Sie Ihre Geldanlage mit Blick auf die aktuellen Ereignisse an den Kapitalmärkten überprüfen und anpassen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Berater aus der genossenschaftlichen Bankengruppe.

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