Europa spart
Mittwoch, 27.01.2021

Europa spart

Wie das Coronavirus das Sparverhalten verändert

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Erinnern Sie sich? Nicht ohne Schmunzeln wurde zu Beginn der Pandemie darüber berichtet, welche Dinge die verschiedenen Länder in Krisenzeiten vorzugsweise horten. Die Italiener und Spanier kauften die Weinregale leer und die Franzosen deckten sich laut Bloomberg – wer hätte das vermutet – mit Dosenravioli ein. Besonders staunten die Nachbarländer darüber, dass die Holländer ganz entspannt vor den Coffeeshops Schlange standen, während die Bulgaren ihre Einkaufstaschen mit Vitamin C und Zitrusfrüchten füllten. Und die Deutschen horteten vor allem Toilettenpapier.

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Warum aber die Vorratshaltung?

Warum Toilettenpapier? Es gibt verschiedene Theorien dazu. Farasat Bokhari, Gesundheitsökonom an der Universität East Anglia in Großbritannien, meint, dass die meisten Toilettenpapierkäufer das Gefühl von Kontrolle anstreben, ihnen aber kein unbegrenztes Budget zur Verfügung steht. Daher wird etwas Günstiges gekauft, das gut gelagert werden kann. Die sogenannten Hamsterkäufer möchten also etwas gegen die vermutete Gefahr tun, sich und ihre Familie schützen, sich bevorraten, vorbereiten und wappnen. Gleichzeitig möchten sie ihr Geld „hamstern“, es nicht für Unnötiges ausgeben und für Unvorhergesehenes sparen.

Sparverhalten – was hat sich verändert?

Schon während der ersten Corona-Welle erhöhte sich die Sparquote der privaten Haushalte in Europa. Sie sparten im Vergleich zum Vorjahr 3 Prozent mehr vom Einkommen – insgesamt fast 16 Prozent. Die Iren waren im zweiten Quartal mit einer Bruttosparquote von insgesamt 34,6 Prozent und einer Steigerung um stattliche 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr die Sparsieger. Deutschland ist bekannt für seine stets hohen Sparquoten. Während der ersten Infektionswelle stiegen diese nochmals um 10 Prozent auf insgesamt 28 Prozent des Bruttoeinkommens. Das heißt, von 100 Euro verfügbarem Einkommen sparten die Deutschen im zweiten Quartal des letzten Jahres 28 Euro. Nach Berechnungen der DZ Bank dürfte das Geldvermögen der Privathaushalte im Jahr 2020 um 393 Milliarden Euro zugenommen haben.

Sparverhalten

Woran wird gespart?

Einer Umfrage von McKinsey zufolge haben die Bundesbürger durch die Corona-Pandemie ihr Konsumverhalten und damit auch die Sparquote verändert. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) achten jetzt verstärkt darauf, wofür sie ihr Geld ausgeben, und verzichten eher auf Unnötiges. 22 Prozent kaufen vor allem günstige Produkte, um zu sparen, und 11 Prozent recherchieren vor einem Kauf die Preise, vergleichen und suchen nach günstigen Angeboten.

Ein weiterer Aspekt, der die Sparquote der Europäer merklich erhöht hat, ist der Mangel an Gelegenheiten. Der gedrosselte Konsum durch die Corona-Einschränkungen wird zum Sondereffekt der Sparquoten: stornierte Urlaubsreisen, verschobene Autokäufe oder ausgefallene Restaurantbesuche. So haben beispielsweise die Deutschen laut einer Statista-Umfrage seit Ausbruch der Pandemie für folgende Bereiche weniger Geld ausgegeben: 74 Prozent haben weniger Bars, Restaurants und Events besucht, 68 Prozent sind weniger gereist und 66 Prozent haben weniger oft Dienstleistungen wie beispielsweise einen neuen Haarschnitt beim Friseur in Anspruch genommen.

Sparen macht optimistisch

Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2018 vermittelt das Sparen übrigens nicht nur ein Gefühl der Sicherheit, sondern macht die deutschen Sparer auch zufrieden und glücklich. Rücklagen verhelfen demnach zu einer positiven Grundhaltung. Unter den Sparern haben 75 Prozent zuversichtliche Erwartungen für die Zukunft. Unter den Nichtsparern sehen nur 52 Prozent der Zukunft optimistisch entgegen.

Wie wird gespart?

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar (früher Emnid) scheint bei der Wahl der Geldanlage vor allem die schnelle Verfügbarkeit wichtig zu sein. So parken derzeit 20 Prozent ihre Ersparnisse auf dem Girokonto, 13 Prozent kaufen mehr Aktien und Fondsanteile, 12 Prozent nutzen ein klassisches Sparkonto und 8 Prozent verwahren mehr Geld zu Hause als vor der Pandemie.

In Deutschland lagen im Sommer 2020 mehr als 2,7 Billionen Euro in Form von Bargeld und Sichteinlagen brach, so nennt man Investitionen in unbefristete und täglich verfügbare Bankeinlagen, wie sie das klassische Sparkonto bietet. Gleichzeitig haben die Markteinbrüche zu Beginn der Pandemie viele deutsche Anleger dazu angeregt, die niedrigen Kurse am Kapitalmarkt zu nutzen: Es wurden viele neue Depots eröffnet. So gehören Fonds derzeit zu den bevorzugten Geldanlagen der Bundesbürger. Rund 71 Millionen Euro wurden bis Ende September 2020 in Investmentfonds investiert.

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